Founder Compass: Ein Reflexionstool für Gründer:innen

Im deutschsprachigen Raum gibt es Persönlichkeitstests für Gründer:innen – aber kein wissenschaftlich fundiertes, kompetenzorientiertes Reflexionsinstrument auf Basis des EU-EntreComp-Frameworks. Mit dem Founder Compass arbeiten wir an genau diesem fehlenden Stück. Eine erste Version steht ab sofort zum Ausprobieren bereit.

Eine Lücke, die niemand füllt

Wer als Gründer:in oder Solopreneur im deutschsprachigen Raum nach einem Selbsttest sucht, landet schnell bei einer von vier Sorten Tools: persönlichkeitsbasierte Verfahren, die fixe Eigenschaften messen statt entwickelbarer Kompetenzen. Online-Quizze ohne wissenschaftliche Grundlage. Englischsprachige Instrumente mit Lizenzhürden. Oder akademische Verfahren, die im Coaching- und Workshop-Kontext kaum einsetzbar sind.

Was fehlt, ist ein Instrument, das die Vorteile wissenschaftlicher Validierung mit der Praxistauglichkeit eines kompakten Reflexionsformats verbindet – etwa so, wie es die Transferstärke-Methode von Axel Koch im Bereich Lerntransfer leistet. Genau diese Lücke wollen wir mit dem Founder Compass schließen.

Wichtig

Der Founder Compass ist kein Eignungstest, kein Erfolgsprädiktor und keine Personalauswahl-Diagnostik. Er ist ein Reflexionsinstrument – ein strukturierter Anlass, über die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder nachzudenken.

Warum EntreComp als Grundlage

Das Entrepreneurship Competence Framework (EntreComp) wurde 2016 vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission veröffentlicht. Es beschreibt unternehmerische Kompetenz mit 15 Kompetenzen in drei Bereichen: Ideen & Gelegenheiten, Ressourcen sowie Umsetzung. Vier Gründe sprechen dafür, EntreComp als theoretisches Fundament zu nehmen:

Politische Verankerung. EntreComp ist das offizielle Referenzframework der EU für unternehmerische Bildung – mit allen Anschlussmöglichkeiten an Förderprogramme, Weiterbildungsstrukturen und institutionelle Partner.

Kompetenz statt Persönlichkeit. Anders als persönlichkeitsbasierte Modelle fokussiert EntreComp auf entwickelbare Kompetenzen. Das passt zur Coaching- und Entwicklungslogik – und vermeidet die Falle der Eignungs-Etikettierung.

Breite Definition von Wertschöpfung. EntreComp definiert Wert ausdrücklich als finanziell, kulturell oder sozial. Damit ist das Framework anschlussfähig an klassisches Unternehmertum genauso wie an Social Entrepreneurship und Intrapreneurship in der Sozialwirtschaft.

Marktlücke. Ein vollständig validiertes deutschsprachiges EntreComp-Self-Assessment existiert schlicht nicht. Diese Lücke ist gleichzeitig Mehrwert für Nutzer:innen und intellektueller Beitrag.

Was der Founder Compass anders macht

Die 15 EntreComp-Kompetenzen sind als Rahmen wertvoll, für ein kompaktes Reflexionsinstrument aber zu komplex und nicht trennscharf genug. Der Founder Compass verdichtet sie deshalb auf 10 reflexionstaugliche Dimensionen in zwei Clustern – Mindset und Kompetenzen – plus einen optionalen Kontextfaktor zum unterstützenden Ökosystem.

Operationalisiert wird das mit rund 40 bis 50 Items auf einer 6-stufigen Likert-Skala. Bearbeitungsdauer: 10 bis 15 Minuten. Die Auswertung läuft als Radar-Diagramm mit qualitativer Reflexionsebene. Kein „Sie sind zu 73 Prozent Gründer:in“ – sondern ein differenziertes Bild Ihrer Stärken und Entwicklungsfelder als Anlass für strukturiertes Nachdenken.

Tipp

Der Founder Compass entfaltet seinen vollen Wert nicht im Alleingang, sondern im Gespräch – mit einer Coach:in, im Peer-Austausch oder in einem Workshop. Das Tool ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines Entwicklungsprozesses.

Drei Ziele, ein Instrument

Der Founder Compass verfolgt drei Ziele: Reflexion ermöglichen, eine geteilte Sprache für unternehmerische Kompetenzen schaffen und konkrete Entwicklungsimpulse anstoßen. Auf jede Reflexion sollen Übungen, Gesprächsangebote oder weiterführende Fragen folgen.

Jetzt ausprobieren

Aktuell befindet sich der Founder Compass in der Entwicklungsphase. Eine erste offene Reflexionsversion ist als Typeform verfügbar – noch ohne validierte Auswertung, aber bereits mit dem vollständigen Item-Pool. Wer das Tool ausprobiert, hilft uns, die Items zu schärfen und die Validierung vorzubereiten.

Den Founder Compass finden Sie hier: whitespring.typeform.com/to/lY2R03zC

Die nächsten Schritte sind ein Expert:innen-Review, qualitative Pretests mit Gründer:innen und – bei erfolgreichem Pilot – eine quantitative Validierungserhebung mit mindestens 200 Teilnehmenden. Ziel ist eine wissenschaftlich belastbare Version 1.0 im Laufe des Jahres 2027.

Fazit

Selbstreflexion ist im Gründungsalltag kein nice-to-have, sondern Erfolgsbedingung – und gleichzeitig genau das, was systematisch zu kurz kommt. Der Founder Compass soll das ändern: wissenschaftlich fundiert, aber leichtgewichtig, anschlussfähig an Coaching, Workshops und Peer-Formate. Wer mitprobiert, gestaltet ein Instrument mit, das es so im deutschsprachigen Raum noch nicht gibt.

Zusammenfassung
  • Im deutschsprachigen Raum fehlt ein wissenschaftlich fundiertes, kompetenzorientiertes Self-Assessment für Gründer:innen.
  • Der Founder Compass nutzt das EU-EntreComp-Framework als Grundlage, verdichtet auf 10 reflexionstaugliche Dimensionen.
  • Die erste offene Version ist als Typeform verfügbar – Feedback fließt in die wissenschaftliche Validierung ein.